Am besten nähert man sich diesem Buch von Victoria Suffrage über ihre Sprache. Ich darf zitieren: Jetzt bin ich es, der lächeln muss. Alex bringt mich zum Lächeln. Gott erzählt Witze und muss deshalb woanders mitreisen. Vojtech hingegen scheint unbeeindruckt. Es scheint ihn auch nicht zu schrecken, dass Alex ihn rauswerfen will. Das ist nur so ein Satz. Und Sie wissen danach auch nicht, um was es geht.

Nun, Gott, der hier Witze erzählt, ist einer mit Vornamen Karel – kennen Sie noch! Ja, der, aus Prag, die Goldene Stimme! Vojtech ist keiner, den Sie kennen, aber Sie werden Anklänge finden an Franz Kafka und den Soldaten Schwejk, allesamt irgendwie Prag. Und genau dahin geht die Reise. Die Reise eines Fastachtzigjährigen mit seinem Pfleger Alex, irgendwie die letzte Reise dieses alten, kauzigen, liebeswürdigen, nachdenklichen, gebrechlichen und doch nicht gebrochenen Witwers.

Zuhause liegt sein behindertes Kind Ela, in den Vierzigern. Er hat Ela liebevoll gepflegt mit seiner Frau Lissy, mit der er redet, mit der Toten, die sein Ein und Alles war über mehr als vierzig Jahre, die ihm rät – und mit der eben also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends verabredet ist.

Dieses Buch ist ein anrührendes, ein fantasievolles, eines ohne jede Bitterkeit, wenngleich die Themen Tod und Schwerstkrankheit und Aufopferung und Liebe sich durch alle Seiten ziehen. Suffrage hat einen großartiges Wurf gelandet. Ich musste ein paar Mal schlucken mit diesem Kloß im Hals – um im nächsten Moment zu schmunzeln, weil ω Victoria Suffrage (Link zur Person auf meiner Seite) genau die Waage hält zwischen Sentiment (und eben nicht Kitsch) und Heiterkeit. Sie schafft Personen, in die man sich verliebt, mit denen man zittert, die man nach einiger Zeit zu kennen glaubt.

Anders herum. Der ω Regenbogen (Link zu Amazon) hat mich sehr bewegt, bei aller professionellen Distanz. In meinen Augen ein Buch, das man gelesen haben muss. Dringende Empfehlung.

Und ein dringendes Nachwort: Elsa Rieger und ich haben das Lektorat übernommen von einem großartigsten Kollegen, der den Regenbogen nicht zu Ende lektorieren konnte. Ein wenig haben wir es auch in Gedenken an ihn getan, der jetzt aufm Regenbogen sitzt und liest.