Was das kostet

Ich nenne keine Festpreise. Natürlich bekommen Sie einen gültigen Kostenvoranschlag – und genau nach dem sollten Sie auch zahlen. Aber ich habe keine fixe Vorstellung von dem, was ich ausgerechnet für Ihre Normseite nehme. Ich muss zehn bis fünfzehn Seiten Ihres Manuskripts lesen. Dann weiß ich mehr. Die lese ich übrigens kostenfrei. Beispiele dafür finden Sie unter Neues, nämlich hier und auch hier. Ja, ich bekenne, ich beschnuppere Sie auf diese Weise – und sage Ihnen ohne rot zu werden, dass Sie mich beschnuppern.

Und dann erhalten Sie einen bindenden Kostenvoranschlag. Wenn ich auf Seite 116 Ihres Textes merke, dass ich mich zu Ihren Gunsten verkalkuliert habe, schweige ich und arbeite zum vereinbarten Preis.

Je nach Schwierigkeitsgrad berechne ich zwischen 5 und 9 Euro pro Seite – Rabattierung bei Texten über 500 Normseiten …

_______________________ wir kommen zu den Normseiten.

Eine Normseite ist die Berechnungsgrundlage für den Seitenpreis. Eine Normseite hat 30 Zeilen auf 60 Anschläge bei 14 Punkt Schriftgröße. Ich wandle Ihren Text unter Papyrus um (Menüpunkt … auf modernen Normseiten – Times – abbilden, siehe WIE ICH ARBEITE); Papyrus nennt mir dann die exakte Seitenzahl für die Berechnung. Noch einfacher die Methode, mit der ich verlässlich arbeite: Ich nehme die exakte Zahl der Zeichen Ihres Textes, inklusive Leerzeichen, sagen wir mal 629.465. Diese Zahl teile ich durch 1.500, so will es der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren, dessen Mitglied ich bin. Macht 629.465 : 1.500 = 419,6433 Normseiten, abgerundet 420 Normseiten.

_______________________ und weiter im Text von oben …

… Rabattierung bei Texten über 500 Normseiten …. Verhandlungssache. Ebenso, wenn Sie mir sagen, dass Sie mit fünf Büchern pro Jahr bei mir aufschlagen oder ich Ihr gesamtes, bisher erschienenes Werk überarbeiten soll.

Dass wir uns nicht missverstehen: In diesem Seiten-Preis ist ein zweifacher Lese-Durchgang (1Les, 2Les) und ein Fremd-Korrektorat inbegriffen. Die Rechnung, inklusive Mehrwertsteuer, stelle ich Ihnen nach dem Ersten Lesen. Und ich arbeite auch nicht weiter, solange die Rechnung nicht beglichen worden ist. Sollten Sie auf die Idee kommen, sich ohne die Rechnung zu begleichen mit einem Lesen (1Les) zufrieden zugeben, sollten Sie also auf die Idee kommen, mich betrügen zu wollen, verliere ich meine angeborene oder anerzogene Höflichkeit und jage Sie mit allen juristischen Mitteln (ja, auch Russen-Inkasso), bis ich auf Heller und Pfennig zufrieden bin – auch über die eigene Rentabilitätsgrenze hinaus. Danach ziehe ich auch mit einem Lächeln das Zweite Lesen durch.

Wie mache ich den Schwierigkeitsgrad aus? Ganz einfach: Ich erahne einen Quotienten aus Fehlern pro Seite – Eingriffen pro Seite – Anmerkungen pro Seite – Umstellungen pro Seite, also aus der Mühe, die Ihr Werk mir bereitet. Daraus ergibt sich aus Erfahrungen eine Größenordnung für den Seitenpreis. Ein Beispiel für umfangreiche Handarbeit an Ihrem Text liefere ich hier, Klick auf den Abschnitt Neues auf dieser Seite, Klick zu meinem Sprach-Blog deutschmeisterei.de hier. Wenn ich auf jeder Seite zwanzig Mal Ihre falsche Zeichensetzung ausbessern muss, ist das erstens langweilig und zweitens zeitaufwendig (mit E die vom Duden präferierte Form, vor aufwändig).

Und wenn Sie mit 1.063 Normseiten kommen und versprechen, mich nicht zu drängen, komme ich Ihnen gern entgegen.

Die Abrechnung über die Größe Anzahl der Normseiten ist nur eine Möglichkeit, eine Summe zu berechnen. Geschätzte Kollegen von mir wir berechnen nach Zeitaufwand und Stundenlohn oder sie sagen Ihnen nach 100 Seiten Bearbeitung, was es kosten könnte. Ich will keine dieser anderen Abrechnungsmodelle kritisieren. Ich mache es halt anders. Auf jeden Fall wissen Sie, was Sie mir am Ende zahlen müssen.

Ich bin mehrwertsteuerpflichtig. Finanzamt Nürnberg-Süd. Und ich stelle Ihnen eine Rechnung, die Gesamtrechnung, nach dem ersten Lesen. Und arbeite auch erst weiter, wenn Sie die Rechnung beglichen haben.

Ihre 56 Seiten lange Masterarbeit oder Ihre Kurzgeschichte soll übers Wochenende bearbeitet werden, Sie Witzbold? Wir werden uns einigen. Glück gehabt, oder?

Sie sind knapp bei Kasse? Student? Hartz-IV-Empfänger? Wenn ich davon überzeugt bin, dass sich die Arbeit lohnt – und das meine ich nicht nur finanziell –, komme ich Ihnen entgegen. Oder wir vereinbaren Monatszahlungen.

Apropos Monatszahlungen. Wenn Sie Schritt für Schritt, Kapitel für Kapitel arbeiten wollen … gern.

Und dann darf ich aus einer Mail zitieren, die ich Mitte Juli 2020 an einen Autor geschrieben habe …

Zur Ökonomie. Ich sage allen, die mich fragen (und es vielleicht auch nicht hören wollen), dass Sie mit Ihrem Buch keinen Pfennig verdienen werden. Im Gegenteil. In der Regel ist der Lektor der teuerste Part eines solchen Vorhabens. Hinzu kommen die Rechte für das Titelbild und die Kosten für den Druck des Buches. Eventuell noch, wenn Sie es selbst nicht können, der Satz. Diese Ausgaben werden Sie auf gar keinen Fall hereinholen. Die Frage, ob Ihr Narzissmus ausreicht, um dieses Unterfangen dennoch anzugehen, können nur Sie beantworten.

Ich habe dem Autor den Text so geschickt, fand ihn im Nachgang möglicherweise zu harsch formuliert. Aber: Zu 99 Prozent der Fälle stimmt das.
Aktualisiert am 24. Mai und am 13. Juli 2020, ML

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